Ausstellungshalle Kusch+Co

Hallenberg, 1997

Bühne für gutes Design

Kusch+Co gehört seit Jahrzehnten zu den international renommierten Herstellern hochwertiger Sitzmöbel. Die neue Ausstellung sollte diesen Anspruch nicht mit aufwendiger Dekoration vermitteln, sondern durch Architektur. Gesucht war ein Raum, der Offenheit, Qualität und die internationale Ausrichtung des Unternehmens sichtbar macht.

Als wir die bestehende Industriehalle zum ersten Mal betraten, fiel unser Blick nach oben.

Über der Ausstellung verbarg sich hinter einer abgehängten Decke die ursprüngliche Stahlkonstruktion des Gebäudes. Damit war die wichtigste Entscheidung eigentlich schon gefallen.

Die Decke musste verschwinden.

Mit einem einzigen Eingriff erhielt die Halle ihre ursprüngliche Höhe zurück. Gleichzeitig wurde das filigrane Stahltragwerk wieder sichtbar und es entstand genügend Raum für eine zusätzliche Galerie mit rund 300 Quadratmetern Ausstellungsfläche.

Erst danach stellte sich die eigentliche Aufgabe.

Wie präsentiert man mehrere hundert Sitzmöbel, ohne sie einfach nur nebeneinander aufzustellen?

Der Entwurf orientierte sich deshalb an einem Gedanken, der das gesamte Projekt bis ins Detail begleitet.

Die Ausstellung wurde als Bühne verstanden.

Im Zentrum der Halle entstand eine lange Rampe. Sie verbindet Erdgeschoss und Galerie und verändert mit jedem Schritt den Blick auf die Ausstellung. Unten erlebt man einzelne Möbelsituationen. Mit zunehmender Höhe werden räumliche Zusammenhänge sichtbar. Erst auf der Galerie erschließt sich schließlich die gesamte Produktwelt des Unternehmens.

Dabei geht es nicht darum, möglichst schnell einen Überblick zu bekommen.

Der Weg selbst gehört zur Ausstellung.

Mit jedem Standort entstehen neue Beziehungen zwischen Möbeln, Architektur und den anderen Präsentationsbereichen. Produkte, die eben noch einzeln wahrgenommen wurden, werden Teil eines größeren Zusammenhanges. Andere treten neu in den Vordergrund. Die Ausstellung verändert sich mit der Bewegung des Besuchers.

Links des Steges befinden sich die Programme für Kultur- und Sozialbereiche. Sie werden in abstrahierten weißen Häusern präsentiert, die aus wenigen, kräftig dimensionierten Wänden gebildet werden. Ihnen gegenüber stehen die Büro- und Verwaltungsprogramme in einer offenen Stahl-Glas-Konstruktion. Beide Bereiche unterscheiden sich bewusst in ihrer räumlichen Sprache und bleiben dennoch Teil eines gemeinsamen Ganzen.

Auch die Materialwahl folgt diesem Gedanken. Sichtbarer Stahl, Glas, Holz, Beton und textile Segel bleiben in ihrer ursprünglichen Form erkennbar. Nichts wirkt verkleidet oder dekoriert. Die Materialien erklären ihre Konstruktion selbst. Tiefblaue Wandflächen und zwei orangefarbene Lichtbänder setzen gezielte Akzente und verleihen der zurückhaltenden Materialwelt Spannung, ohne den Möbeln die Aufmerksamkeit zu nehmen.

Eine wesentliche Rolle spielt das Licht. Tageslicht wird über transluszente Glaskonstruktionen tief in die Halle geführt. Die großen Segelflächen erzeugen ein weiches Allgemeinlicht, während gerichtete Leuchten einzelne Produkte gezielt hervorheben. Wie auf einer Bühne entscheidet das Licht darüber, welche Bereiche in den Vordergrund treten und welche bewusst zurückgenommen werden. :contentReference[oaicite:2]{index=2}

1997 erhielt die Ausstellungshalle den zweiten Preis des Deutschen Innenarchitekturpreises. Ausgezeichnet wurde ein Entwurf, der Produkte nicht dekoriert, sondern ihre Präsentation selbst zum Gegenstand der Architektur macht.

Fast drei Jahrzehnte später wird die Halle noch immer als Showroom von Kusch+Co genutzt. Die Kollektionen haben sich seitdem verändert. Die Architektur bildet bis heute den Rahmen für ihre Präsentation.


Weiterführende Informationen

Projektdaten

  • Projekt: Ausstellungshalle Kusch+Co
  • Ort: Gundringhausen 5, 59969 Hallenberg
  • Bauherr: Dieter Kusch
  • Fertigstellung: 1997
  • Leistungen: Innenarchitektur, Ausstellungskonzept
  • Auszeichnung: 2. Preis Deutscher Innenarchitekturpreis 1997

Fortschritt beginnt oft mit einer einfachen Frage: Geht das nicht auch anders?

Wenn Sie über Ihr eigenes Projekt sprechen möchten, freuen wir uns auf ein Gespräch.

Telefon: 02151 736005

E-Mail: k.buerger@k-buerger.de