DocMorris Apotheke
Eine Marke neu denken
Als Pia und Adolf Wuth 2008 ihre neue Apotheke in Limburg planten, gehörte zur Marke DocMorris ein vollständiges Ladenbaukonzept. Farben, Möbel und Einrichtung konnten praktisch aus dem Katalog übernommen werden.
Genau das wollten wir alle nicht.
Das vorhandene Ladenbausystem war für uns keine Entwurfsgrundlage.
Also: Welche Elemente sind für die Identität von DocMorris überhaupt unverzichtbar?
Je genauer wir uns damit beschäftigten, desto deutlicher wurde, dass es erstaunlich wenige waren. Die charakteristischen Rundungen, die Farben Grün und Weiß sowie das grafische Erscheinungsbild bildeten den gestalterischen Rahmen. Alles andere konnte neu gedacht werden.
Wir entwickelten deshalb zunächst eine Apotheke – mit ihren betrieblichen Abläufen, ihrer Logistik und ihrer räumlichen Organisation. Erst anschließend übersetzten wir die gestalterische Sprache von DocMorris in diese Architektur.
Während der Entwurfsarbeit beschrieben wir die gewünschte Raumwirkung mit einem ungewöhnlichen Bild:
Eine Mentholpastille mit Eukalyptusfüllung.
Ein Raum, der frisch wirkt, leicht erscheint und einen intensiv grünen Kern hat.
Wer die Apotheke betritt, erlebt zunächst einen hellen, ruhigen Raum. Weiß dominiert die Architektur. Das Grün der Marke erscheint dagegen nur dort, wo Orientierung geschaffen oder eine Funktion hervorgehoben werden soll. Dadurch wirkt die Farbe nicht dekorativ, sondern bewusst gesetzt.
Die Offizin erstreckt sich über die gesamte Breite der Schaufensterfront. Dahinter liegt als zweites Band der komplette Arbeitsbereich mit Labor, Büro, Personalraum, Warenbearbeitung und Lagertechnik. Diese klare Trennung ermöglicht kurze Wege und hält alle technischen Abläufe aus dem Blickfeld der Kunden heraus.
Eine der wichtigsten Vorgaben war der Lagerautomat. Mit einer Länge von über neun Metern und seiner raumhohen Bauweise ließ er sich nicht einfach irgendwo unterbringen. Deshalb suchten wir einen Ort, an dem möglichst wenig nutzbare Fläche verloren ging. Die Wahl fiel auf den Bereich der Fassade, an dem sich die Schaufensterfunktion sinnvoll durch andere Nutzungen ersetzen ließ. Hier entstanden die Nachtanlieferung und der integrierte Notdienstschalter. So übernahm derselbe Fassadenabschnitt mehrere Aufgaben, während die eigentliche Schaufensterfront vollständig der Offizin vorbehalten blieb.
Die Sichtwahl bildet als einziges bewusst orthogonales Element einen ruhigen Gegenpol zu den weichen Formen des übrigen Entwurfs. Schon ihre Form macht deutlich, dass sich hier keine Freiwahl befindet. Schubkästen nehmen die am häufigsten benötigten Medikamente auf, während alle übrigen Artikel vom Lagerautomaten automatisch an die beiden Ausgabestellen geliefert werden.
Das DocMorris-Grün erscheint nicht nur als Materialfarbe, sondern auch als Licht. RGB-LEDs setzen gezielt grüne Akzente in der Sichtwahl und den Beratungsräumen. Dadurch entsteht der Eindruck einer weißen Architektur mit einem intensiv grünen Kern.
Das sechs Meter lange Ledersofa bildet die Wartezone. Es schlängelt sich als weiche Wellenbewegung durch den ansonsten klar gegliederten Raum und setzt bewusst einen organischen Kontrast zur orthogonalen Grundstruktur der Offizin. Darüber ergänzt ein Lichtobjekt die räumliche Inszenierung.
Die beiden Beratungs- und Kosmetikräume werden von fast drei Meter hohen Glastüren abgeschlossen. Die Folierung entstand eigens für dieses Projekt aus einem Raster kleiner DocMorris-Kreuze. Auch hier wird das Corporate Design nicht übernommen, sondern räumlich interpretiert.
Selbst der Arbeitsbereich bleibt Teil des Raumkonzeptes. Durch die verglaste Rückwand der Sichtwahl können die Mitarbeiter den Verkaufsraum beobachten, gleichzeitig gelangt Tageslicht bis tief in die rückwärtigen Bereiche der Apotheke.
Auch funktional entstanden zahlreiche Sonderlösungen. Die Handverkaufstische wurden fugenlos aus weißem Corian gefertigt. Als Handtaschenablagen dienen von innen beleuchtete Glaspakete. Selbst die Touchscreen-Gehäuse der Kassensysteme wurden eigens für dieses Projekt entworfen. Fahrbare Aktionskuben übernehmen gleichzeitig die Warenpräsentation und dienen mit integrierten Schubkästen als zusätzlicher Stauraum. Eine niedrigere Ausführung kann als mobiler Blutdruck- und Blutzuckermessplatz direkt an das grüne Wartesofa gefahren werden.
Die verschiebbaren Freiwahlwagen halten die Schaufenster transparent und flexibel. Sie präsentieren Produkte, ohne den Blick in die Apotheke zu verstellen. So bleibt die Offenheit des Raumes bereits von außen erlebbar.
Während der Planung beschäftigte uns noch eine weitere Frage.
Was passiert eigentlich, wenn die Marke eines Tages nicht mehr existiert?
Unsere Empfehlung an den Bauherrn war deshalb, die Architektur nicht vollständig von DocMorris abhängig zu machen. Logos, Folierungen und Lichtfarben sollten sich mit überschaubarem Aufwand verändern lassen. Die räumliche Qualität dagegen sollte bleiben.
Genau so kam es.
Wenige Jahre später zog sich DocMorris weitgehend aus dem stationären Apothekengeschäft zurück. Die Apotheke erhielt einen neuen Namen. Aus der DocMorris Apotheke wurde die Grüne Apotheke. Die Architektur blieb nahezu unverändert. Logos wurden ersetzt, Folierungen entfernt und auch die Lichtfarbe hätte neu eingestellt werden können. Der Entwurf funktionierte weiterhin, weil er nie auf einem Ladenbausystem beruhte, sondern auf einer räumlichen Idee.
2014 wurde das Projekt mit einer Special Mention des German Design Award ausgezeichnet. Die Auszeichnung würdigte die eigenständige architektonische Interpretation des Corporate Designs und den konsequenten Entwurf einer Apotheke, die weit über die üblichen Vorgaben eines Franchise-Konzeptes hinausging.
Weiterführende Informationen
Projekte, Detailaufnahmen und Referenzen zum Thema Apothekendesign finden Sie auf unserem Pinterest-Board:
Pinterest-Board „Design Apotheke“
Projektdaten
- Projekt: DocMorris Apotheke (heute: Grüne Apotheke)
- Ort: Diezer Straße 13, 65549 Limburg an der Lahn
- Fertigstellung: 2008
- Gesamtfläche: 279 m²
- Bauherr: Pia und Adolf Wuth
- Leistungen: Innenarchitektur, Apothekenplanung
- Auszeichnung: German Design Award 2014 – Special Mention
- Besonderheiten: vollständige Neuinterpretation des Corporate Designs, Sonderanfertigungen, Corian-Handverkaufstische, RGB-Lichtkonzept, Lagerroboter, biodynamische Beleuchtung der Beratungsräume
Wir planen keine Apotheken. Wir entwickeln Unikate.
Jedes Projekt hat seine eigene Geschichte, seine eigenen Anforderungen und seine eigene Persönlichkeit. Deshalb glauben wir nicht an Standardlösungen.
Wenn Sie über Ihr eigenes Projekt sprechen möchten, freuen wir uns auf ein Gespräch.
Telefon: 02151 736005
E-Mail: k.buerger@k-buerger.de